Kuh "Frieda" auf ihrer Weide,
meine heutige Gesprächspartnerin

~ Willkommen Fremder ~

Na, wer guckt denn da so neugierig in die Kamera?

Willkommen Fremder, ich bin die Frieda und ich freue mich sehr über deinen Besuch! 
Schön, dass du bei mir verweilst – so können wir uns anfreunden. Besuch ist bei mir immer willkommen, das Kennenlernen finde ich eine interessante Sache: erst sind wir uns fremd – jeder Besuch hat seinen eigenen Geruch, seine faszinierende Hülle, seine außergewöhnliche Erscheinung; jeder Besucher ist besonders, einzigartig und auch ungeheuer – aber wenn wir uns „beschnuppert“ haben, können wir Freunde werden.


Weißt du, ich bin sowieso die neugierigste und frechste Kuh hier auf unserer Weide; und ich bin die Kuh, die am meisten Freunde hat, am meisten Menschen kennt. Unsere Weide ist spannend; hier spazieren nämlich jeden Tag viele Menschen und Hunde vorbei, die ich dann alle inspiziere. Egal ob Fremder ob Freund oder ob sonst was Neues zu erkunden ist – ich bin immer die Erste.

Wir Kühe sind allgemein neugierige und offene Tiere, aber meine Kollegen sind etwas vorsichtiger. Ich darf mir gar nicht zu viel Angst erlauben, weil ich ja alles kennen lernen möchte …

… und nun möchte ich auch die Kamera kennen lernen; die sieht so spannend aus. Am liebsten würde ich daran lecken; mir läuft schon das Wasser im Munde zusammen. Ich begreife das Leben mit meiner Zunge und möchte so gerne alles ausprobieren. Wie wohl so eine Kamera schmeckt?!

Vielleicht hat Dominik, der Fotograf, Friedas Frage gehört und die Kamera nach dem Fotografieren sicher in seiner Tasche verwahrt, vielleicht hat er sich noch länger mit der aufmerksamen und zugänglichen Kuh unterhalten; eindeutig hat er ihr besonderes Wesen erkannt und zum Glück auch für uns alle mit seiner Kamera eingefangen.

Ich erkläre Frieda, dass eine Kamera sicher eher langweilig schmeckt und auch nicht gesund ist, aber dass man damit tolle Fotos machen kann; zum Beispiel von neugierigen Kühen … Frieda leckt noch mal genüsslich mit ihrer Zunge, dann verabschieden wir uns.

Aus dem Gespräch mit Frieda fallen mir zwei interessante Einstellungen auf – ich nenne sie mal liebevoll aufwertend „Kuh-Logik“.

  • Kuh-Logik Nummer 1, „Ich darf mir gar nicht zu viel Angst erlauben, weil ich ja alles kennen lernen möchte“, haut mich aus den Socken. So einfach wie genial: Für die wissbegierige Kuh passt Angst überhaupt nicht in ihren Lebensstil, also lässt sie sie kurzerhand gar nicht aufkommen.

    Damit erinnert sie uns: Wir sind selbst die Meister, sollen die Verantwortung für unser Leben übernehmen und dürfen dafür auch unsere Werte selbst definieren (bei Frieda liegen die Werte „Neues kennen lernen“ bzw. „persönliches Wachstum“ ganz klar vor „Sicherheit“).

  • Kuh-Logik Nummer 2 ist Friedas Lebensstil: Sie möchte so viele fremde Situationen (u. a. Treffen mit Menschen) wie möglich kennen lernen, um herauszufinden, ob ihr dieses Fremde eventuell gefallen könnte und eine Freundschaft daraus entsteht.

    Wie oft verschließen wir uns, weil wir meinen, etwas bereits zu kennen? Und wie oft haben wir damit eine Chance verpasst etwas Neues kennen zu lernen und sogar eine wundervolle Freundschaft zu schließen?

Ich liebe Friedas Kuh-Logik und werde sie mir diese Woche immer wieder in Erinnerung rufen: Einmal mehr die Angst nicht aufkommen lassen und schauen, welche Chancen und Freundschaften des Lebens eventuell dahinter stecken.

Lieber Leser, wie gefällt Ihnen die Kuh-Logik? Probieren Sie es doch eine Zeit lang aus. Vielleicht ein Schlüssel, der zu Ihnen passt und zu einem noch lebendigeren Leben führt? Ich bin gespannt!


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