Frau Hase im Schnee,
meine heutige Gesprächspartnerin

~ Zwei Seiten einer Medaille ~

Frau Hase im Schnee war am Anfang etwas verwirrt, weil ein Mensch mit ihr spricht, aber schon bald fasste sie Vertrauen und plauderte los. Ich konnte ihr keine konkrete Frage stellen, weil sie meinen Gedanken, „oh, die Arme hat wohl ziemlich kalt im Schnee“, aufgriff und dies zum Thema machte …

Hast Du Erbarmen mit mir, weil ich im kalten Schnee sitzen muss?
Ja, Du hast Recht, es IST kalt! Im Winter ist es furchtbar kalt und nass draussen. Auch das Futter ist spärlich und ich muss meine Vorräte gut einteilen. Zudem muss ich viel vorsichtiger sein, weil ich mich nicht so gut verstecken kann. Mein braunes Fell fällt im weißen Schnee viel mehr auf …
 
Aber siehst Du nicht auch die Freude?!? Genauso wie manche Menschen, kann auch ich den ersten Schnee im Winter kaum erwarten. Es gibt ebenfalls die Schnee-Verweigerer unter uns Hasen, aber ich habe richtig Freude daran. Ich hüpfe fröhlich durch den Schnee, spiele mit ihm, atme diese frische kalte Luft ein, lausche der Ruhe des Winters ...
Und wie schön ist es, nach so einem Ausflug in die kuschelige Höhle zurück zu kehren. So fein warm, geborgen, … Niemals ist es im Sommer so kuschelig wohlig in meiner Höhle wie im Winter.

 
Erkenne, es gibt immer zwei Seiten: nichts ist nur schlecht und auch nichts ist nur gut. Alles ist einfach so, wie es ist …
… und jetzt ist mir kalt. Ich schlage meine Haken, bis nach Hause ist es nicht mehr weit.

Wir verabschiedeten uns schnell, Frau Hase schlug vergnügt ein paar Haken und verschwand im Dickicht. Ich blieb noch eine Weile in dieser Ruhe, ganz still, erfüllt vom Gespräch mit der weisen Häsin.

Zwei Punkte möchte ich noch genauer betrachten:

  • Es ist enorm wichtig, dass jedes Wesen seine Wünsche klar äußert. Hätte mich Frau Hase nicht informiert, dass ihr kalt ist und sie nun in die gute warme Höhle zurückkehren möchte, hätte ich vielleicht noch stundenlang mit ihr über Ansichtsweisen und gut und schlecht philosophiert. Wohl kaum hätte dies zu einem befriedigenden Gespräch geführt, weil Frau Hase immer mehr gefroren und sich immer mehr nach wohliger Wärme gesehnt hätte. Sie wäre mit ihren Gedanken schon Zuhause gewesen und immer weniger bei unserem Gespräch, sie hätte sich nicht mit ihrem ganzen Wissen einbringen können.
  • Ihre Kern-Weisheit, dass es immer zwei Seiten gibt, empfinde ich als sehr tröstlich. Das erinnert mich an die Parabel vom chinesischen Bauern, eine Geschichte über Glück und Unglück. Diese Weisheitsgeschichte zeigt uns, wie wichtig Vertrauen sein kann.
    Ich persönlich finde es zudem eine clevere Idee, beim womöglich Guten das Gute zu sehen und beim womöglich Schlechten auch das Gute zu sehen. Wenn wir nämlich unseren Fokus auf das Positive in jeder Situation lenken, wird unser Leben automatisch voller positiver Erfahrungen. Das muss so sein, das ist pure Mathematik. Und so erkennen wir, dass unser Leben gut ist.

Noch eine Erkenntnis habe ich aus diesem Kontakt gewonnen: Auch wenn das Leben mal nicht so läuft wie geplant (ich konnte ja meine Frage nicht stellen), können sich magische Momente ergeben – in diesem Fall ein unerwartet bereicherndes Gespräch.
Vielleicht sollten wir uns öfter mal von unserer Planung lösen und uns einfach auf die Situation einlassen, genauso, wie sie halt gerade ist, …

Die Weisheiten von Frau Hase im Schnee nützen auch uns für ein entspannteres Leben und wenn uns mal alles zu viel wird ~ schlagen wir vergnügt den Haken …


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