Kennst du das Gleichnis von der Raupe, die glaubt zu sterben und sich dann in einen freien, durch die Lüfte tanzenden Schmetterling verwandelt? Dieser Vergleich spendet Trost, besonders wenn ein geliebtes Wesen seine nächste Reise antritt oder wenn wir durch schwere Zeiten gehen und nichts mehr so ist, wie es mal war. „Es ist das Ende der Welt, sagt die Raupe. Es ist erst der Anfang, sagt der Schmetterling.“ Es geschieht nur eine Verwandlung, es ist nicht das Ende.
Dazu wollte ich schon lange mal eine Raupe interviewen. Heute hat sich Herr Ringelspinner zur Verfügung gestellt. Er kennt diese Analogie allerdings nicht und versteht nicht, wovon ich spreche:
Wieso sprichst du von meinem Tod? Was genau passiert denn da? Und was bitte ist ein Schmetterling? … ( ( Ausführlich erkläre ich ihm die Verpuppung der Raupe und das Schlüpfen als Schmetterling – Herr Raupe sieht mich mit großen Augen an. Es verstreicht eine Weile bis er reagiert ) ) … Nein, ich lasse mich von deiner Geschichte nicht verwirren. Das würde mich nur verunsichern. Muss ich dann was Spezielles vorbereiten, wenn ich mich verpuppe? … ( ( Ich versichere ihm, dass er bereits automatisch das Richtige tue (nämlich fressen, fressen, fressen) und dass er sich keine Sorgen zu machen braucht ) ) … Na, siehst du. Ich mache genau das Richtige, ich brauche keine Pläne und ich bin glücklich. Und ich möchte nicht wissen, was da später einmal auf mich zukommen wird. Wenn ich glaube, dass ich sterbe, dann werde ich das ebenfalls richtig machen, wie wenn ich plötzlich wieder als Schmetterling auferstehe. Darüber grübeln macht keinen Sinn. Diese vielen Gedanken machen mich ganz wuschig, machen mir Bauchweh. Ich möchte nicht wissen, was da einmal mit mir passieren wird. Ich möchte einfach nur jetzt leben, fressen und nichts denken. So bin ich glücklich.
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