~ Sprung ins Leben ~

Ein junger Kater wartet auf uns fürs Interview. Sein Ausdruck verrät bereits so einiges – lauschen wir seiner Inspiration …

Schau nur. Da drüben. Siehst du? Da, am Rande des Gebüschs. Da bewegt sich was. So nah und doch so fern … Aber ich bin bereit. Jede Faser meines Körpers ist bereit – bereit zum Sprung. Meine Muskeln zittern; kaum merklich, ein feines Zittern – ein Zittern der Vorfreude, dem Wissen, dass ich in diesem Moment völlig eins mit allem um mich herum bin. Die Beute weiß noch nicht, dass ich da bin. Aber ich weiß es … ( ( Herr Kater leckt sich in Gedanken sein Mäulchen ) ) …

In diesen Momenten ist es, als würde sich die Welt in Zeitlupe bewegen. Als Katze spüre ich das Gras unter meinen Pfoten, ich spüre irgendwie einen Boden, der mich trägt und gleichzeitig ist da keine Grenze mehr, zwischen Boden und meinen Pfoten. Ich trage eine Leichtigkeit in mir, eine Leichtigkeit, die mich meinen Körper nicht mehr fühlen lässt. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich noch atme. Nichts um mich scheint von mir berührt. So fühlt es sich jedes Mal an, wenn ich kurz vor dem Sprung stehe.

Es ist so viel mehr als nur körperliche Anspannung. Es ist ein perfektes Gleichgewicht zwischen Vorbereitung und Loslassen. Nicht die Art von Loslassen, bei der man die Kontrolle verliert – ganz und gar nicht; das wäre nicht meine Art. 

Mein Loslassen vor dem Sprung ist ein tiefes Vertrauen, dass alles, was passiert, genau so sein soll, wie es eben ist, wie es passiert. Klingt vielleicht seltsam, aber das Leben, mein Leben, hat mich gelehrt, dass man das Beutefangen nicht erzwingen kann. Loslassen, um ans Ziel zu kommen

Jetzt lauere ich also hier. Ich habe meine Beute fixiert. Es könnte eine Maus sein oder ein kleiner Vogel vielleicht – das spielt keine Rolle. Es geht nicht nur ums Fangen, es geht um den Reiz des Spiels, und die Spannung vor der Entspannung – dieser kurze Moment, in dem alles glasklar ist.

Ich bin Stille und Kraft in einem. Ich weiß nicht, ob ihr Menschen das versteht, wie viel Kraft in der Stille liegt. Ich sehe euch meist in Bewegung, so oft in Eile. Vielleicht beobachtet ihr mich beim Jagen, und denkt: „Wow, diese Katze, wie stark, wie schnell ..." Aber die Geschwindigkeit, die Stärke – das ist nur die Oberfläche. Das wahre Geheimnis ist die Geduld, das Vertrauen in den Moment.

Meine Menschen planen und kontrollieren alles, bis zum Schluss. Sie meinen, dass es so sein muss, wie sie glauben, dass es sein sollte … Das ist für mich nicht Kontrolle. Meine Kontrolle ist zu wissen, wann ich loslassen muss. Also, wenn ich springe, dann weiß ich, dass ich alles getan habe, um bereit zu sein, und … lasse los – genau im Moment des Sprungs. Ich vertraue darauf, dass mein Körper tut, was zu tun ist.

Und falls mir die Beute entwischt, dann ist das eben so. Nichts gefangen, nichts verloren, den Augenblick gewonnen – vollkommen präsent. Das ist es, was zählt.

Wie gesagt beobachte ich die Menschen, wie sehr sie versuchen, alles unter Kontrolle zu haben – ihre Arbeit, ihre Beziehungen, sogar die Gedanken 
… ( ( Herr Kater schmunzelt bei dieser Erinnerung an uns Menschen ) ) … Ich sage euch, in manchen Momenten ist es einfach besser, loszulassen – den Sprung zu wagen, ohne Garantie, dass alles so ausgeht, wie ihr es euch wünscht. Und in diesem Moment werdet ihr spüren, was es bedeutet, wirklich lebendig zu sein.

Erinnert euch an meine Botschaft, wenn mal wieder alles auf dem Spiel zu stehen scheint – und ich weiß, ihr habt solche Momente. Denkt an uns Katzen, wie wir ruhig und konzentriert bleiben, auch wenn die Welt um uns herum hektisch ist, auch wenn es um viel zu gehen scheint. Seht mein Foto vor euch, denkt daran, wie ich gleich den Sprung wage und loslasse, ohne Angst, sondern mit einem Vertrauen, das tiefer geht als alles, was ich kontrollieren könnte.

Es gibt diesen Moment vor dem Sprung, einen Moment, in dem alles still ist, in dem ihr mit allem eins seid, grenzenlos – wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. In diesem Moment könnt ihr spüren, dass ihr Teil von etwas Größerem seid. Dass es nicht nur darum geht, zu gewinnen oder zu verlieren, sondern darum, zu erleben, zu leben, wirklich DA zu sein.

Also, wenn ihr das nächste Mal kurz davor seid, etwas zu tun, was euch nervös macht oder wo ihr das Gefühl habt, alles könnte schiefgehen: tief durchatmen … Spürt den Boden unter euren Füßen, verschmelzt gleichzeitig mit ihm, fühlt die Energie, die in euch pulsiert, und vertraut darauf, dass ihr im richtigen Moment das Richtige tun werdet. Vielleicht werdet ihr die Beute fangen, vielleicht nicht. Aber in jedem Fall werdet ihr eine Lektion gelernt haben, die viel wertvoller ist: Ihr seid nicht hier, um ständig zu planen und kontrollieren – ihr seid hier, um zu leben.

Bereit für den Sprung?

In der Botschaft von Herrn Kater steckt eine tiefe Weisheit: Nicht immer ist es nötig, alles zu kontrollieren. Manchmal bringt uns das Loslassen weiter – vor allem dann, wenn wir bereit sind, Vertrauen in uns selbst und in den Moment zu entwickeln.

Das HAB-Experiment im November lädt uns ein, genau das zu üben. Es zeigt einen Weg, in ungewissen Momenten bewusst innezuhalten, die eigene innere Stärke zu spüren und dann loszulassen, ohne das Ergebnis krampfhaft zu beeinflussen. Die Übung besteht aus vier einfachen Schritten, die uns lehren, präsenter zu sein und uns selbst mehr zu vertrauen. Hier, auf Facebook findest du eine kurze Anleitung dazu. Die vollständige Reflexion zur Botschaft und die detaillierten Schritte für das aktuelle HAB-Experiment gibt es im jeweiligen LoveLetter.

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Bis zum 5. Juli 2020 kannst du auch als Besucher alle Liebesbriefe/LoveLetter in vollem Umfang lesen. Danach werden hier nur noch die Weisheiten der Tierwelt veröffentlicht. Informationen zum aktuellen HerzAugenBlick-Experiment gibt es auf der Seite HerzAugenBlick bei Facebook.