~ im Meer der Liebe ~

Die Schneckenpost im Juni hat in meinem Leben als Reisende eine neue Tiefe bekommen. Da, wo vorher „nur“ Worte waren, kommt nun die Erfahrung.
 
Zum Glück habe ich Frau Steinbutt beim Schnorcheln getroffen, mitten im Sandsturm meiner Gedanken, im wilden Kopfkino-Chaos. Meine Erinnererin in der Not …
 
Ihre Botschaft ist wie ein Nachklang zur Schnecke. Es geht weiter …
Nicht nur „in sich zuhause sein“, sondern überall zuhause sein, dem Leben selbst vertrauen, dass es dich immer dorthin trägt, wo du gebraucht wirst.

Hallo, du Himmelsschweberin, ich spüre dich, ich sehe dich, dein Herz ist mit meinem verbunden.
Ja genau
… ( ( Frau Steinbutt lächelt wohltuend, wissend ) ) … so schnell geht Verbindung, in einem einzigen Augenblick, mit dem Herzen – und schon sind wir im HerzAugenBlick  … ( ( ich glaube, jetzt zwinkert sie mir zu ) ) …
 
Liebes, ich sehe so viel Wehmut in dir, Sehnsucht, so viel Liebe, die zurückblickt. Du vermisst dein altes Gewässer, dein vertrautes Riff, deine Freunde, die bekannten Wellen, mit denen du gespielt hast.
 
Ich verstehe dich sehr gut. Auch ich kenne jeden Stein hier unten, jede Muschel beim Namen – sie sind mir alle wichtig. Und wenn es mich weitertreibt, dann bleibe ich leicht und gelassen, in dieser Strömung des Lebens. Ich weiß, und ich weiß, du weißt das auch: Der Ozean bleibt überall derselbe. Nur die Formen ändern sich.
Die Liebe bleibt.
 
Wenn du mich fragst, was ich über das Loslassen gelernt habe, dann dies:
Ich bin nicht gefangen. Ich bleibe nicht am Grund, weil ich muss – ich bleibe, weil ich vertraue. Strömungen kommen und gehen, und wenn mich dann eine mitnimmt, wenn die Reise beginnt, dann vertraue ich auch diesem Weg. Ich hinterfrage nicht, bleibe nicht am Zurückgebliebenen hängen, mache mir keine Sorgen, wo es mich hintreibt. Ich weiß, das Leben bringt mich immer dorthin, wo ich gebraucht werde.
 
Doch jede Bewegung wirbelt Sand auf – ob ich weit getragen werde oder nur ein kleines Stück schwimme ... Erst mal ist alles trüb, dunkel, unklar. Einen Moment lang sieht man gar nichts mehr. Aber das legt sich wieder. Es wird wieder klar.
Und jedes Mal, wenn ich die klare Schau verliere, sozusagen eigentlich bei jedem noch so kleinen Sandkornwechsel, darf ich neu vertrauen. Es ist ein Übungsweg, wieder eins zu werden mit dem Meer, eins zu werden mit dem Wasser, das mich sowieso überall umgibt 
… ( ( sie lacht über sich selbst und sogleich tanzen ein paar Sandkörner um sie ) ) …

Erkennst du diesen Widerspruch, wie sehr wir uns selbst im Weg stehen?!?
Wir suchen und suchen Strategien, um uns mit dem zu verbinden, was ohnehin da ist, zurückzufinden zu einem Ort, den wir niemals verlassen haben 
… ( ( bedeutsame Stille, bevor sie weiterspricht ) ) …
Ich bin da, der Sand ist da, die Steine, das Wasser, … schon immer.
Nichts ist verloren gegangen.
Alles ist in seiner Ordnung.
 
Geliebte Seele, ich sehe deinen Kummer, und ich verspreche dir: Deine Sorgen, all deine trüben Gedanken sind umsonst – du hast nichts verloren, und du hast auch niemanden allein zurück gelassen. Werde still. Stehe dir nicht selbst im Weg mit deinen Gedanken. Lass dieses Chaos sich legen, lass es wieder klar werden. Erinnere dich daran, wieder eins zu werden – eins mit dem LEBEN, das dich sowieso überall umgibt. Schau hin.
 
Du weißt genau von eurer unaufhörlichen Verbindung des Herzens. Die Menschen, die Hunde, geliebte Aufgaben, Tanz und Musik – nichts ist fort. Ihre Schwingung lebt in dir und du bist bei ihnen. Der Ozean ist jede Welle und jede Welle ist der Ozean. Ihr seid nicht getrennt.
 
Du bist ein Weltenbummler, ich bewege mich kaum – und doch sind auch wir vereint.
Ich reise nicht von Land zu Land, sondern bleibe, und die Welt kommt zu mir. Wellen bringen Geschichten, Fische flüstern Neuigkeiten, die Strömung trägt alles zu mir, was ich brauche – manchmal sogar einen Menschen … Ich habe gelernt, dass Bewegung nicht immer heißt, dass man schwimmen muss. Manchmal bedeutet Bewegung, still zu werden, damit das Leben sich durch dich bewegen kann.
 
Leben ist nicht an einen Ort gebunden, Heimat auch nicht. Es ist in dir. So wie Liebe, so wie Wertschätzung – für das Jetzt und auch für das Vergangene. Die Verbindung mit deinen Lieben schwingt also immer in dir, und wenn du still wirst, wenn du sanft atmest und lauschst, dann hörst du sie.
Hörst du?
Dieses „Alles ist gut“, das die Wellen flüstern, dieser Frieden, wenn du im Ozean treibst, das ist sie. Das ist die ewige Liebe, die sich selbst erkennt und sich überall hin ausdehnt. Durch dich, und ich danke dir.
 
Ich weiß nichts von oben oder unten, von fern oder nah. Ich weiß nur, dass alles in Beziehung steht. Wir sind jetzt im gleichen Moment da. Du und ich und wir alle – wir teilen alle denselben Raum, denselben Ozean.
 
Liebes, spüre, erinnere dich  wieder, dass alles für alle gut ist, dass das Leben gut ist, genau so, wie es sich entfaltet. Nichts geht verloren, was in Liebe entstanden.
 
Du bist so voller Liebe verbunden. Du bist nicht allein, und du hast nichts und niemanden allein gelassen. Unmöglich!
Du bist am genau richtigen Ort. Immer schon.
Im Meer der Liebe.
Im Einen.

Auf diese Weise ist mir das Gespräch mit Frau Steinbutt heute in Erinnerung. Wir begegneten uns bereits im Oktober, als ich im Meer schnorchelte, beschäftigt mit meinem eigenen wilden Gedankenkarrussell.
Ihre ruhige, ausgeglichene Energie und ihre tröstliche Botschaft waren und sind soo wertvoll. Ein stiller Anker, und der Frieden entfaltet und zeigt sich seitdem wieder öfter.
 
Seit unserer Abreise erlebe ich die ganze Bandbreite des Menschseins: Freude, Staunen, Dankbarkeit – und auch Heimweh, Sehnsucht, Loslassen. Die beruhigende Präsenz von Frau Steinbutt begleitet mich durch dieses Auf und Ab, erinnert mich immer wieder an den ewig heilen Frieden in mir.

Das Leben hat mich in eine Phase geführt, in der vieles anders geworden ist. Ich habe mein Riff, mein gewohntes Gewässer verlassen, um auf Reisen zu gehen – eine Entscheidung voller Freiheit, Abenteuerlust und Dankbarkeit.
Doch auch voller Abschied.
 
Ich hatte ja keine Ahnung, wie schwer es mir doch fällt, mein vertrautes Leben loszulassen. Meine Aufgaben im Hundesportverein, die Freude, Mensch und Hund im Training zu begleiten, zu verbinden, die Energie der Tanzstunden, in denen Bewegung und Musik so viele Herzen geöffnet haben – all das war ein wichtiger Teil meines Lebens.
Und natürlich all die lieben Menschen um mich.
 
Ich vermisse sie. Ich vermisse den Austausch, das gemeinsame Lachen, die vertrauten Stimmen, das Fachsimpeln unter Hündelern, Gespräche über das Leben, Gott und die Welt … Und manchmal meldet sich sogar das Gefühl, vielleicht jemanden im Stich gelassen zu haben.
 
Kennst du das auch?  Dieses Ziehen im Herzen, wenn du weißt, dass das Neue richtig ist – aber das Alte noch nachklingt, weil du es so sehr geliebt hast?
 
Genau dort hat mich Frau Steinbutt erwischt – und abgeholt. Ich schwebte eine kleine Ewigkeit über ihr, tief verbunden, zeitlos, still. Selbst mein Gedankenkarrussell verstummte.
 
Sie lebt etwas, das wir Menschen so leicht vergessen: das tiefe Vertrauen ins Leben selbst – ganz ohne darüber nachzudenken, ohne Strategieentwicklung.
Sie liegt still auf dem Meeresgrund – und doch bewegt sich alles um sie herum. Die Strömung bringt Frau Steinbutt, was sie braucht, und nimmt fort, was sie nicht festhalten soll. Kein Grübeln, kein Sorgen, kein Kämpfen gegen den Wandel. Sie fließt einfach mit.
 
Diese Begegnung hat mich daran erinnert, dass „Heimat“ kein Ort ist.
Heimat ist ein Zustand des Herzens. Ein Gefühl von Verbundenheit, das überall erfahrbar ist, wenn wir bereit sind, still zu werden und zu lauschen.
 
Ach, du Lieber, so viele Jahre habe ich nun schon über Loslassen, Vertrauen und Verbundenheit gelesen, geschrieben, gesprochen – jedoch ist das Erleben selbst immer die tiefere Lektion.

Jetzt, unterwegs in Italien, ohne meine gewohnten Aufgaben und ohne vertrauter Sprache, darf ich spüren, was all die Worte wirklich bedeuten. Ich erlebe am eigenen Herzen, wie herausfordernd es sein kann, wenn sich die eigene kleine Welt ständig verändert. Drei Monate hier, ein Monat dort, ständig neue Umgebung, neue Menschen, neue Sprachen, neue Rhythmen.
Nichts bleibt lange gleich – außer meinem wahren Sein.

Und genau darin liegt ein stilles, fast paradoxes Geschenk.
Denn je weniger Halt ich im Außen finde, desto deutlicher finde ich Halt im Inneren. Es ruft mich nach innen, dorthin, wo die wahre Heimat liegt. Ein Ort, wo nichts wankt, wo nichts umgestoßen werden kann, wo alles still, friedvoll und unverletzt bleibt.

Auf Reisen zu sein bedeutet für mich nicht nur, Länder zu erkunden, sondern auch mein innerstes Wesen freizulegen: Schicht für Schicht, Sehnsucht für Sehnsucht.
Es ist, als lade mich das Leben sanft, aber beharrlich dazu ein, meine Sicherheit nicht mehr in Orten, Aufgaben oder Menschen zu suchen, sondern sie in jenem Raum in mir zu finden, der schon immer da ist, unantastbar, vollkommen, heil.

Wenn sich außen alles ständig dreht, wird die innere Heimat nicht nur zur Möglichkeit, sondern zur Notwendigkeit.
Und auch wenn es Momente gibt, in denen mächtig Sand aufgewirbelt wird, in denen der Boden zu verschwinden scheint, entsteht darin – früher oder später – eine tiefe Ruhe. Ich spüre, dass ich wieder diesen Frieden in mir trainieren darf – nicht als Rückzug, nicht als Flucht, sondern als Heimkehr. Als Wiedererinnerung.

Je länger ich unterwegs bin, desto klarer wird mir:
Ich habe meine wahre Heimat nie verlassen.
Und auch DU hast deine wahre Heimat nie verlassen – ganz gleich, wo (und wie) du dich befindest.

Das Leben schenkt uns immer wieder Gelegenheiten, das zu üben und zu verkörpern, was vorher „nur“ im Kopf war.
Nicht mehr nur zu glauben, sondern zu fühlen und wissen.
Nicht mehr nur zu sagen „Ich vertraue“, sondern tatsächlich loszulassen – und in die liebenden Arme des Lebens zu sinken, wie ins Meer, das uns immer trägt.

Das ist keine spirituelle Theorie, sondern eine ganz praktische, alltägliche Übung.
Wenn wir das Gefühl haben, etwas zu verlieren, dürfen wir uns daran erinnern, dass die Liebe nicht an Formen gebunden ist. Menschen, Tiere, Orte, Aufgaben – sie verändern sich, ja. Doch ihre Schwingung bleibt in uns lebendig.

So wie Frau Steinbutt im Meer überall zuhause ist und eins mit allem, so sind auch wir immer verbunden und zuhause mit allem, was wir jemals geliebt haben.

Das erfordert Vertrauen – ein Vertrauen, das weit jenseits des Denkens liegt.
Der Verstand sagt uns immer: „Du hast schon wieder was verloren.“, aber unser Herz weiß: Alles, was in Liebe gelebt wurde, ist ewig.
Und in dieser Ewigkeit bewegen wir uns, begegnen wir uns …

Vielleicht, lieber Weggefährte, stehst auch du gerade an einem Punkt, an dem sich etwas verändert.
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ein alter geht zu Ende. 
Vielleicht verabschiedest du dich von einer Gewohnheit, einer Arbeit, einem Menschen, einem Ort.
Dann erinnere dich an Frau Steinbutt: Wir müssen nicht immer aktiv etwas tun, um weiterzukommen. Manchmal geschieht Entwicklung genau in dem Moment, in dem wir still werden.
In dem wir atmen, fühlen, lauschen.
In dem wir dem Leben erlauben, sich durch uns zu bewegen.

Heute lade ich dich wieder mal zu einer HAB-Übung ein, ganz einfach und doch tief:

Schließe für einen Moment die Augen.
Atme sanft ein und aus.
Stell dir vor, du liegst – wie Frau Steinbutt – auf sicherem Grund.
Dein Atem fließt frei.

Über dir das Licht, um dich angenehm warmes Wasser, sanfte Wellenbewegungen.
Du musst nichts festhalten. Du darfst dich tragen lassen.

Spüre, wie alles, was du je geliebt hast, jetzt hier ist – vielleicht in der gleichen Form, vielleicht in einer veränderten. Vertraue, dass es genau die richtige Form hat – für dich, für alle.
Vertraue, dass du genau die richtige Form hast – für dich, für alle.

Vertraue, dass das Leben dich genau dorthin trägt, wo du sein sollst.



Glaube mir, diese Haltung verändert alles – sie macht das Leben weicher, tiefer, wahrhaftiger.
Plötzlich spüren wir, dass auch Schmerz und Sehnsucht nichts „Falsches“ sind. Alles darf da sein. Alles ist Teil des Prozesses, in dem das Herz sich weitet und wir uns an unsere wahre Heimat erinnern – jene Heimat im Sein, in der wir alle miteinander zuhause sind.

Wenn wir aufhören, gegen die Veränderung zu kämpfen, entsteht Frieden.
Dann wird Loslassen zu einem Akt der Liebe.
Dann verwandelt sich „Heimweh“ in eine neue Form von „Daheim-Sein“ – in uns selbst, in der Liebe, im Vertrauen.

So wird jede Reise – auch die ins Unbekannte – zu einer Rückkehr nach Hause.
Nach Hause in das Vertrauen, dass alles seinen Platz hat.
Nach Hause in die Liebe, die wir sind.

Frau Steinbutt zeigt uns in ihrer ruhigen Klarheit, dass es nicht darum geht, immer alles klar zu sehen oder zu verstehen, sondern zu vertrauen, und uns zu erinnern, wer wir sind: Teil eines großen Ganzen, gehalten, geführt, verbunden.

Was wir lieben, geht nie verloren.
Es verändert ab und zu die Form, und dies ängstigt uns manchmal. Und genau in dieser Unsicherheit können wir lernen, die Liebe in allem zu erkennen – nicht nur in den vertrauten Menschen oder Orten, sondern auch im Unbekannten, im neuen Nachbarn, im fremden Umfeld, im frischen Wind, im stillen Moment dazwischen.

Wenn wir uns daran erinnern, dass wir alle Teil des einen großen Ganzen sind – alle gehalten, geführt und unendlich geliebt –, legt sich auch unser innerer Gedankensturm. Dann wird es klar: Wir lassen niemanden „zurück“, wenn wir weitergehen. Wir sind im Herzen verbunden, und das Leben sorgt für jeden einzelnen von uns – auf seine Weise, in seinem Rhythmus.
Unsere Schritte ins Neue dienen auch denjenigen, die wir vermeintlich zurückgelassen haben: sie entdecken weitere Räume, ihre eigene Kraft, andere Wege, neue Sichtweisen.

JA, ich vertraue!
Alles fügt sich immer so, dass es für alle Beteiligten stimmt – auch dann, wenn wir es vielleicht erst erkennen können, wenn sich der aufgewirbelte Sand um uns wieder gelegt hat.

In Wahrheit, liebe HAB-Familie, in Wahrheit bewegen wir uns alle im gleichen Ozean, im gleichen Zuhause. Wir sind miteinander verbunden, selbst wenn wir uns noch nie begegnet sind oder unsere Wege sich scheinbar für eine Weile voneinander entfernen. Dein Wasser ist auch mein Wasser. Meine Liebe ist deine Liebe.

Danke, geliebte Seele, dass du da bist, dass du mitliest, mitfühlst, mitschwingst.
Dieser erste LoveLetter nach meiner Abreise fühlt sich an wie ein Wiedereintauchen – in Verbindung, in dich, in die ganze Familie, in das große Ganze.
Danke, dass du dich mit uns allen gemeinsam erinnerst: Liebe ist die Wahrheit, die uns vereint und nie vergeht.

Möge Frau Steinbutt auch dich daran erinnern, still zu werden, besonders wenn das Leben trüb wirkt. Das Wasser klärt sich wieder. Immer.
Und wenn du das nächste Mal am Meer stehst, an einem See, in der Badewanne, … oder einfach still in deinem Zimmer bist, denke an sie.
An ihr Vertrauen.
An ihre Ruhe.
Und an dieses leise, unerschütterliche Wissen:
Alles ist gut. Immer schon. Für alle.

Viel Wärme, Licht und ein sanfter Flossengruß aus Sizilien,
deine Sandra



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