Heute gibt es ein unterhaltsames Interview mit „Ihrer Majestät“ Frau Katze, die uns ihre Lehrgeschichte erzählt. Das Foto stammt noch aus ihrer „bockigen Phase“, als sie mit ihrer Halskrause wie eine kleine, wütende Königin tollpatschig durch die Gegend stapfte. Doch mit der Zeit lernte sie, dass auch die stolzeste Samtpfoten-Königin sich hingeben und zur Ruhe finden kann.
Also, da siehst du mich nun, mit diesem doofen, nervtötenden Ding um meinen Hals – ihr Menschen nennt es Halskrause, ich nenne es Kreis der Schande … ( ( ihr Schwanz pendelt genervt hin und her ) ) … Ich meine, schau mich an! Normalerweise bin ich die Königin meines Königreichs – geschmeidig, elegant, unberührbar. Aber jetzt? Jetzt laufe ich durch die Gegend wie ein wackeliger Lampenschirm, und wenn ich zu nah am Kasten vorbeikomm, fällt alles raus.Weiterlesen „~ Schmerz und Frieden ~“
Diese ganze Geschichte fängt mit einer winzig kleinen Wunde an. So klein, dass ich sie am Anfang nicht mal richtig bemerkt habe. Aber dann – na ja, ich bin eine Katze und musste tun, was eine Katze eben tun muss: Ich musste dran lecken ... Logisch, oder? Was macht man, wenn etwas nicht stimmt? Lecken, putzen, sortieren. Aber scheinbar war genau das ein Fehler. Die Wunde wurde größer, entzündete sich, ... und jetzt habe ich den Salat – oder besser gesagt, diesen schrecklichen Plastik-Kragen. Meine Menschen sagen, es sei zu meinem Besten. Aber mal ehrlich, wie kann man nur glauben, dass das für irgendetwas gut sein kann?
Am Anfang habe ich mich gewehrt, wollte den Kragen abstreifen, habe wirklich alles probiert – Kopf schütteln, mit den Pfoten ziehen und schieben, gegen Möbel rennen ... Aber das Ding bleibt dran. Wahrscheinlich macht es sich auch schon über mich lustig – so wie meine Menschen. Denen liefere ich immer mal wieder was zu lachen, sie haben sichtlich Freude an meiner Ungeschicklichkeit … ( ( Frau Katze senkt verlegen den Kopf ) ) …
Und irgendwann kommt dieser Moment, in dem du aufgibst, in dem du merkst, dass du nichts mehr tun kannst, und den Kampf beendest, loslässt. Irgendwann musste ich eingestehen, dass ich keine Kontrolle mehr habe, dass ich momentan wohl keine leichtfüßige Samtpfote mehr bin.
Das ist schwer zu akzeptieren. Ich meine, ich bin Katze. Kontrollverlust ist gegen meine Natur! Normalerweise gehe ich meinen eigenen Weg. Ich entscheide, wann ich gestreichelt werden möchte, ich entscheide, wann ich jage, ich entscheide, wann ich mich auf dem Fensterbrett räkeln will. Und jetzt? Ich kann nicht mal mehr an meinen eigenen Pfoten riechen, ohne dass dieser dumme Plastikring im Weg ist. Alles fühlt sich falsch an, und ich kann nichts tun, um es zu ändern. Je mehr ich darüber spreche, desto wahnsinniger macht es mich … ( ( ihre Augen blitzen angriffslustig ) ) …
Und dann sind da noch die Schmerzen, die Wunde pocht. Es ist nicht sooo schlimm, aber es ist da – wie so ein kleines, gemeines Flüstern, das dir ständig sagt, dass du dich unwohl fühlst. Es macht dich müde, lässt dich schneller genervt sein. Aber was will ich machen? Das Beste, was ich tun kann, ist es auszuhalten. Und ja, manchmal schnurre ich einfach, obwohl ich Schmerzen habe. Nicht, weil es mir super geht, sondern weil ich merke, dass es mich beruhigt. Es ist wie eine kleine Erinnerung an mich selbst, dass ich immer noch hier bin ...
Die ersten Tage waren echt schlimm. Ich habe mich wie in einem Käfig gefühlt. Aber dann – und ich weiß nicht, wie das genau passiert ist – habe ich angefangen, langsamer zu werden. Es war, als hätte ich keine andere Wahl. Zuerst habe ich es gehasst. Aber ich merke, ich kann ja nichts dagegen tun – und plötzlich ist da Frieden ... Manchmal beobachte ich mich, wie ich einfach nur da liege, einfach nichts mache, meine Schmerzen beobachte. Und es fühlt sich immer mehr okay an. Ich schaue aus dem Fenster, sehe, wie die Vögel durch die Luft fliegen, ich fühle das Pochen meiner Wunde, und ich denke mir: „Ah ... okay ... interessant ... Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich mich grad total mies fühle."
Es hört sich irgendwie komisch an, aber ich glaube, ich habe in dieser ganzen Geschichte etwas gelernt. Vielleicht musste ich erst dieses Plastikding um den Hals kriegen, um mal zur Ruhe zu kommen. Um zu erkennen, dass ich nicht alles im Blick haben und kontrollieren muss. Vielleicht musste ich erst so ausgebremst werden, um zu merken, dass ich manchmal einfach innehalten kann – und dass die Welt trotzdem nicht zusammenbricht. Und ich lerne auch, dass Schmerzen nicht gleich bedeuten, dass alles schlecht ist. Sie sind nur ein Teil davon, was gerade da ist.
Ich weiß, ihr Menschen seid manchmal genauso wie ich. Ihr wollt Dinge reparieren, heilen, in Ordnung bringen. Sofort. Ihr wollt die Kontrolle haben, wollt, dass alles glatt läuft. Aber manchmal, und das sage ich mit der Weisheit einer Katze, die gerade ein bisschen viel durchmacht, manchmal müssen wir alle einfach diesen Plastikring akzeptieren. Manchmal können wir nichts tun, außer zu warten. Und das ist okay. Wirklich.
Wenn ich euch einen Rat geben soll, dann diesen: Nehmt euch einen Moment, auch wenn es schwerfällt, auch wenn ihr euch wie gefangen fühlt. Schaut aus dem Fenster. Atmet. Die Welt dreht sich weiter, und die Wunde wird heilen, ob ihr angreift – ähm, eingreift – oder nicht. Und auch die Schmerzen werden irgendwann nachlassen. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Ach, und falls ihr jemals eine Katze mit Halskrause seht: Seid nett. Wir leiden genug. … ( ( streckt sie mir nun etwa ihre Zunge raus?!? ) ) …

